Konservative Therapie

Die klassiche Medizin

Zur Behandlung von MS stehen diverse Medikamente zur Verfügung. Ob du Medikamente einnehmen möchtest oder nicht, das ist allein deine Entscheidung. Es gibt Argumente die dafür sprechen, andere Argumente sprechen dagegen. 

Du solltest dich jedoch auf jeden Fall genau über Wirkungsweise und mögliche Nebenwirkungen der Medikamente informieren, welche man dir anbietet. Gleichwohl ist es ratsam zu hinterfragen, ob die häufig implizierten positiven Effekte, wie etwa die Reduzierung der Schubrate oder die Verlangsamung des Krankheitsverlaufs anhand von Langzeitstudien wissenschaftlich belegt werden konnte, oder ob es sich nur um geschicktes Marketing der Pharmaindustrie handelt. 

Zum Repertoire der klassischen Medizin gehören auf dem Gebiet der medikamentösen Behandlung die akute Schubtherapie, die verlaufsmodifizierende Therapie sowie die symptomatische Therapie. Weiterhin stehen nicht-medikamentöse Therapien zur Verfügung, wie etwa Physiotherapie, Ergotherapie, Logopädie oder Psychotherapie. Meist werden die verschiedenen Therapiemöglichkeiten miteinander kombiniert. Dein Facharzt sollte dich umfassend über die möglichen Optionen aufklären. 

Die Akkuttherapie

Bei der Akuttherapie, auch Schubtherapie genannt, werden akute Krankheitsschübe mit hochdosiertem Kortison behandelt. Das Kortison hemmt die Entzündungsaktivität im Körper und führt dadurch häufig zu einer schnellen Linderung der Beschwerden. Kortison hat jedoch auch einige nicht zu unterschätzende Nebenwirkungen, auf welche man gefasst sein sollte. So wirkt es im Körper wie ein Aufputschmittel und kann unter anderem zu Schlafstörungen, Bluthochdruck oder Hautausschlag führen. 

Es ist nicht ungewöhnlich, dass trotz der raschen Behandlung mit Kortison die vorhandenen Symptome nicht gleich vollständig verschwinden. Manchmal nimmt die Regeneration der geschädigten Myelinschicht noch Wochen oder Monate in Anspruch. Zudem wirkt das Kortison noch eine ganze Weile über den Zeitpunkt der Verabreichung hinaus. Es ist also für dich wichtig, nicht die Geduld zu verlieren. 

Die verlaufsmodifizierende Therapie

Die verlaufsmodifizierende Therapie arbeitet mit sogenannten Immunsupressiva. Dies sind Medikamente, die Teile deines körpereigenes Abwehrsystem über einen bestimmten Wirkmechanismus gezielt unterdrücken. Immunsupressiva werden in verschiedene Wirkstoffgruppen unterteilt. Einige sind bereits seit langer Zeit verfügbar, andere sind relativ neu auf dem Markt. 

Ein Eingriff in dein Immunsystem bedeutet zwangsläufig auch eine Veränderung deiner Fähigkeit Krankheitserreger abzuwehren, weshalb eine erhöhte Infektanfälligkeit zu den häufigsten Nebenwirkungen zählt. Zudem können manche Immunsupressiva langfristig das Krebsrisiko erhöhen. Ein eindeutig wissenschaftlich belegbarer Nutzen dieses Therapieansatzes konnte bis dato nicht erbracht werden. 

Auch wenn die Anzahl der akuten Krankheitsschübe statistisch gesehen reduziert werden kann, entsteht allein dadurch noch kein langfristiger gesundheitlicher Vorteil gegenüber jenen Patienten, welche sich gar keiner Therapie unterziehen. Dies liegt daran, dass MS auch ohne das Auftreten von Krankheitsschüben bei vielen Betroffenen still und leise voranschreitet. Vereinfacht gesagt, Immunsupressiva erleichtern dir vielleicht vorübergehend den Weg, ändern aber nichts am Endergebnis. 

Die symptomatische Therapie

Und dann wäre da noch die symptomatische Therapie, welche darauf abzielt die bereits bestehenden Symptome zu lindern, oder soweit möglich, verlorengegangene Fähigkeiten zu reaktivieren. Auch hier steht je nach Beschwerdebild zunächst ein relativ breites Spektrum an Arzneimitteln zur Auswahl, welche allerdings auch wieder unerwünschte Nebenwirkungen mit sich bringen. 

Hinzu kommen manuelle Therapiemaßnahmen wie Physiotherapie, Ergotherapie, Logopädie und Krankengymnastik. Diese können ein wichtiger Baustein in deinem Behandlungskonzept sein. Suche dir wenn möglich eine Praxis, welche auf die Behandlung neurologischer Erkrankungen wie MS spezialisiert ist, und vereinbare dort regelmäßige Termine. Es gibt auch hier spezielle Behandlungsmethoden, die dich zwar mehr beanspruchen, von denen du jedoch einen größeren Nutzen hast. Als gesetzlich versicherter MS-Patient solltest du diese Behandlungsleistungen in der Regel, bis auf die gesetzliche Zuzahlung, problemlos dauerhaft erstattet bekommen. Falls notwendig, besteht auch die Möglichkeit soziale Unterstützung für die Bewältigung des Alltags zu beantragen.

Nicht zu unterschätzen ist auch die Bedeutung einer regelmäßigen psychologischen Unterstützung. Denn eine chronische Erkrankung stellt auch immer eine seelische Belastung dar, mit welcher man dauerhaft lernen muss umzugehen. Du solltest daher den Weg zum Psychologen nicht scheuen, wenn du feststellst, dass du damit Schwierigkeiten hast. Auch der Kontakt mit anderen Betroffenen, etwa in einer Selbsthilfegruppe oder in einem Online-Forum kann helfen, mit der Erkrankung umzugehen, und nützliche Erfahrungen miteinander auszutauschen.

Wie lautet die Prognose

Wie du bereits weißt, ist MS aus Sicht der klassischen Medizin leider nicht heilbar, wie übrigens alle Autoimmunerkrankungen. Bis heute wurde auch noch kein Medikament entwickelt, welches die Erkrankung mit absoluter Gewissheit aufhalten kann. Es ist richtig, dass viele Betroffene unter der konservativen Therapie auch noch jahrelang relativ beschwerdefrei leben können. Es gibt jedoch auch andere Patienten, deren Erkrankung auf diese Art der Behandlung kaum anspricht. Die berechtigte Frage die sich fast jeder stellt, ist die Frage nach dem wahrscheinlichen Krankheitsverlauf und der langfristigen Prognose. Wird es zu Behinderungen kommen, falls ja in welchem Ausmaß? 

Tatsächlich wird die Antwort individuell immer unterschiedlich ausfallen. Die Prognose hängt von vielen Faktoren ab, wie etwa deinem Alter, deiner grundsätzlichen körperlichen Verfassung, der bisherigen Krankheitsaktivität, den bereits bestehenden Einschränkungen und mehr. Ein Medikament kann wirksam sein, muss es aber nicht. Für dich geht es darum, den potentiellen Nutzen mit den Risiken und Nachteilen eines medikamentösen Eingreifens abzuwägen. 

Wenn es also heißt „MS ist heutzutage gut behandelbar“, dann bezieht sich diese Aussage vor allem auf die große Auswahl an verfügbaren Medikamenten und ergänzenden Behandlungsmethoden, nicht jedoch auf deren gesicherte Wirksamkeit. Bleibt nun die Frage, was du selber tun kannst, um den Verlauf deiner Erkrankung positiv zu beeinflussen. 

 

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